Ab Oktober 2007 werden wir an dieser Stelle monatlich einen Beitrag unseres aktiven Mitglieds Ingrid Dorschner veröffentlichen.
Die Reihe steht unter dem Motto " Wahres, Erdachtes und Gedichte "

Die Oktobergeschichte:
 

  Hoppla, der Igel 

Ich muss zugeben, dass dies ein recht merkwürdiger Name für ein Tier ist. Aber der Igel, der zu dem Namen gehörte, war auch mehr als merkwürdig. Ja, er war eine echte Besonderheit. Durch eine Laune der Natur war ihm nämlich ein fünftes Bein gewachsen. Als seine Muter das sah, seufzte sie und meinte:  "Ach, mein kleines armes Kind, du wirst es einmal schwer haben, denn dein fünftes Bein wird überall im Wege sein. Vielleicht aber wirst du auch eine große Attraktion in einem Zirkus. Wenn dort Liliputaner auftreten können, kannst du das vielleicht auch". 
Aber bis dahin war es noch ein weiter Weg. Während die Geschwister übermütig im hohen Grase umherrannten und ihre Würmchen suchten, musste unser Hoppla erst lernen, mit seinem überzähligen Bein zurechtzukommen. Immer wieder stolperte er über etwas. Mal war ein kleiner Ast im Wege und mal die eigenen Beine. Eines Tages, als wieder die ganze Familie auf einem Ausflug war, fand Hoppla einen besonders großen Wurm. Genüsslich schmatzte er ihn auf, was eine ganze Weile dauerte und als er sich umschaute, waren seine Geschwister nicht mehr zu sehen. Wohin sollte er nun laufen? Vor ihm war ein Steinhafen, über den sie geklettert sein könnten. Er stellte sich auf seine drei Hinterbeine und versuchte hochzusteigen. Und, siehe da, auf einmal stellte sich heraus, wie nützlich das fünfte Bein sein konnte. Während die anderen Beine schon an der Mauer hinaufstiegen, stützte ihn das fünfte Bein gut und fest auf dem Boden. Hurra, das  ging ja prima und mit - hast du nicht gesehen - war unser Hoppla über den Steinhaufen geklettert. Er fand seine Familie und erzählte stolz von seiner neuen Erfahrung. 
Von nun an übte Hoppla immer wieder, auf seinem fünften Bein zu stehen und die anderen in die Luft zu strecken. Er machte dabei die tollsten Verrenkungen. Eines Tages, Hoppla war inzwischen ein schöner großer Igel geworden, kam tatsächlich ein Zirkus in die Gegend. Hoppla verstand es einzurichten, dass er genau dem Clown vor die Füße kam. Als dieser sich noch über den Igel wunderte, rollte er sich auf und machte ihm seine einstudierten Kunststückchen vor. Der Clown staunte immer mehr, nahm Hoppla hoch und brachte ihn zum Zirkusdirektor. Dort wiederholte Hoppla seine Künste und alle waren begeistert. Er wurde sofort als neuer Artist aufgenommen und hatte von Stund` an ein feines Leben. Er war die Attraktion, denn einen solchen Igel hatte noch keiner gesehen. 
Wenn der Zirkus zu euch kommt, dann müsst ihr hineingehen, um Hoppla, den Igel selbst zu erleben. Wenn er inzwischen nicht gestorben ist, tritt er heute noch jeden Abend mit dem Clown auf, der sein bester Freund geworden ist. 

So hätte es tatsächlich sein können, denn diesen Igel mit fünf Beinen gab es wirklich. Er lebte längere Zeit in unserem Garten und war eines Tages verschwunden. Diese Geschichte ist zu seinem Andenken frei erfunden.  
 

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