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Sorgen einer Igelmutter
Die Igelmutter Käthe
kommt vorsichtig aus ihrem Nest und schaut sorgenvoll in den Abendhimmel..
Es ist stürmisch
und kalt geworden. Der Wind treibt die Wolken vor sich her und schüttelt
die bunten Blätter von den Bäumen, dass sie überall wie
bunte Sterntaler umherwirbeln.
Eigentlich ist es
ja ein schöner Anblick, aber Mutter Käthe hat große Sorgen.
Sie hatte erst ziemlich spät im September ihre Igelkinder bekommen
und die waren längst noch nicht groß genug, um einen zeitigen
Winter zu überstehen. Ihre vier Kinderchen lagen jetzt zwar
warm und satt in ihrem Nest, aber lange konnte sie die Kleinen nicht mehr
säugen, da sie selbst zur Zeit zu mager war, um einen langen kalten
Winter zu überleben. Dazu brauchte sie nämlich einen dicken
Speckring, und den hatte sie noch nicht, sondern nur Hunger.
Plötzlich spitzte Sie die Ohren und lauschte gespannt, denn sie hatte
irgend ein Geräusch im Gras gehört. Sie machte zwei vorsichtige,
leise Schritte und schnappte schnell zu. Tatsächlich hatte sie einen
verspäteten Käfer fangen können, den sie nun schmatzend
vertilgte. Es war zwar nicht viel, aber immerhin war der Anfang ihres Abendbrotes
gemacht. Sie trabte los und suchte erst einmal die Futterstellen
für Katzen ab, ob noch etwas von deren Futter übrig geblieben
war, und dann suchte sie am nahen Bachufer nach Regenwürmern.
Wenn sie Glück hatte, dann fand sie noch eine dicke Schnecke.
Wie fast jeden Abend begegnete ihr auf ihrer Wanderung der alte weise Igelgroßvater
Brummel. Er lebte dort in der Nähe in einem riesigen Komposthaufen
und wusste selbst nicht mehr, wie alt er eigentlich war. Aber er
hatte in seinem langen Leben schon so viel erlebt, dass er allen
jüngeren Igeln gute Ratschläge geben konnte. Auch die Igelkinder
gingen gerne zu Opa Brummel, weil er so viele schöne Geschichten
erzählen konnte. Nachdem sich beide Igel begrüßt
und ein wenig in die Seiten gestupst hatten, fragte Opa Brummel: „ Was
ist denn los, Käthchen, deine Augen schauen aber heute
gar nicht fröhlich in die Welt. Hast du etwa Kummer?"
„ Ja" sagte Mama Käthe „ ich habe sogar große Sorgen. Was mache
ich nur mit meinen Kindern, wenn ein zeitiger Winter kommt.
Sie werden erfrieren oder verhungern, denn ich kann mich nicht
mehr lange um sie kümmern. Ich muss mir doch selbst noch etwas Fett
anfressen, um über den Winter zu kommen."
Opa Brummel legte seine Stirn in Falten und dachte nach. Als junger Igel
wäre er ja selbst bald erfroren, als der Winter kam, weil
er nicht daran gedacht hatte, sich ein eigenes Nest zu bauen. Er
war einfach nur herumgetollt und eines Nachts kamen eiskalte weiße
Flocken statt Regen vom Himmel. die alles zudeckten. So konnte
er nicht einmal mehr sehen, wo noch Blätter lagen und
wäre selbst nicht am Leben geblieben, wenn ihn nicht gute Menschen
gefunden und mitgenommen hätten. Sie hatten ihm Futter
gegeben, ein warmes Nest für ihn gebaut und ihn erst im
nächsten Frühjahr, als die weiße Watte, die die Menschen
Schnee nannten, verschwunden war, wieder nach draußen
unter einen Busch gebracht. Das alles erzählte er Mama
Käthe. Noch hatte sie ja etwas Zeit, um sich um ihre Kinderchen
und um sich selbst zu kümmern. Als die Kleinen etwas größer
waren, machte sie mit ihnen weite Spaziergänge und führte
sie dort hin, wo auch Menschen vorbeikamen. So hatten die Kleinen
vielleicht auch die Chance, wie damals Opa Brummel, gefunden und aufgenommen
zu werden. Sie zeigte ihnen auch Vogelfutterstellen, weil man
auch herabgefallene Sonnenblumenkerne oder Haferflocken fressen kann
und nicht nur die Reste vom Katzenfutter. Eines Tages entdeckte
sie unter einer umgedrehten Kiste ein Schälchen mit viel Katzenfutter,
das bestimmt für sie hingestellt worden war, da Katzen viel dickere
Köpfe haben und nicht unter die Kiste kommen konnten.
Auch ein Schälchen mit Wasser war dabei. Von nun an führte sie
ihre Kinder jeden Tag an diesen für sie gedeckten Tisch, und
wenn sie satt waren, zeigte sie ihnen, wo und wie sie sich eigene
Nester bauen konnten. Nun war ihr auch nicht mehr so bange vor dem
Winter, denn sie wusste, dass die Menschen, die täglich Futter für
sie hinstellten, auch im Winter ihre Kinder bestimmt nicht
sterben lassen würden. |