| Erste Begegnung
Ein kleines Mädchen sitzt daheim,
in seinem Garten ganz allein.
Plötzlich horcht es – was ist das?
Da raschelt was im hohen Gras.
Das Mädchen, völlig aufgeregt,
schaut rings umher, wo sich was regt.
Es hielt die Neugier kaum noch aus,
da schaut im Gras ein Schnäuzchen raus.
Langsam wird das Näschen länger,
runde Äuglein blicken keck,
kurze Beinchen, kleiner Körper,
Aber ach, was für ein Schreck.
Der ganze Rücken steckt voll Dornen.
Die sind sicher abgebrochen,
als das kleine dumme Tierchen
durch den Rosenbusch gekrochen.
„ Vati komm, wir helfen ihm,
all die Dornen rauszuziehen.“
Der Vater lächelt, ehe er spricht,
„dieses Tier kennst du noch nicht.
Schau es dir an, ist es nicht schön
und ganz besonders anzuseh`n,
denn Igel tragen allezeit
auf ihren Rücken ein Stachelkleid.“
Der Igel, statt sich fort zu trollen,
beginnt ganz schnell, sich einzurollen.
„Was nun“, so will die Kleine wissen,
jetzt ist er ja ein Nadelkissen.
„ Wo ist da vorn, wo ist da hinten,
ich kann nicht Kopf , noch Schnäuzlein finden“.
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„ Sei ruhig kleines Plappermäulchen,
ganz leise warte noch ein Weilchen.
Siehst du den Wurm dort, gib mal acht
was unser kleiner Igel macht .“
Der rollt sich auf, so schnell es geht
Und hat die Beute schon erspäht.
Mit einem Haps, schon hat er ihn
„ Würmchen, jetzt ist`s um dich geschehn“.
Schmatz, schmatz, schon ist der Wurm verschlungen
und hat es auch nicht fein geklungen,
er hat ihm wunderbar geschmeckt
und seinen Appetit geweckt.
Ganz ruhig läuft der Igel fort,
schnuppert mal hier und schmatzt mal dort.
„ Nun ist mir klar“ so sprach das Kind
„ wozu ihm seine Stacheln nützen,
sie können ihn vor manchem Feind
in seinem kleinen Leben schützen.“
Indessen ist der Igel fort,
frisst längst an einem andern Ort.
Er sucht nach Futter, still und leise
und sättigt sich auf diese Weise.
Wenn ihn was stört, rollt er sich ein
Ach, könnt`s bei Menschen auch so sein.
Ingrid Dorschner (2009)
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