Die Januargeschichte 2008
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Ein alter Weihnachtsbaum erzählt Ein alter Weihnachtsbaum lehnte einsam und müde abseits an einer
Hauswand und reckte seine kahlen Zweige in den Himmel. Er hatte fast alle
seine Nadeln verloren und nur ganz vereinzelt hingen noch einige Lamettafäden
an dem dürren Baumgerippe. Dabei gehen seine Gedanken zurück
in seine Jugendzeit im tiefen Walde, wo er einst dicht gedrängt mit
vielen anderen Tannenbäumen gemeinsam aufgewachsen war. Oft hatten
sie Besuch von den Tieren des Waldes. Das war dann immer sehr aufregend,
den sie hörten dann manchmal die tollsten Geschichten von der großen
Welt und von den Menschen. Wie oft hatte sich unser kleines Bäumchen
damals gewünscht, wie die Tiere einfach fortzuhüpfen., um alles
mit eigenen Augen zu sehen. Aber eines Tages, es war inzwischen schon recht
eng bei all den kleinen Tannenbäumen geworden, kam ein Mann mit einer
großen Säge und suchte einige der schönsten Bäume
aus. Das war für die kleinen Tannen keineswegs traurig, denn die abgesägten
Bäumchen hatten Aussicht, in der großen Welt etwas Schönes
zu erleben. Die im Wald zurückgebliebenen hatten endlich Platz, um
einige Äste so richtig nach Herzenslust auszustrecken. Die ausgesuchten
Bäumchen wurden auf einen Wagen geladen und ab ging die Fahrt in die
Stadt. Sie freuten sich alle sehr, denn es hatte sich herumgesprochen,
dass sie Weihnachtsbäume werden sollten. In der Stadt wurden sie abgeladen
und staunten gar sehr über die vielen Lichter und die vielen Menschen,
die eilig hin und her liefen. Es dauerte auch gar nicht lange, da kam eine
Frau, kaufte sich eines der Bäumchen und trug es nach Hause. Sie erzählte,
dass sie es in einen Ständer stellen und es mit silbernen Lamettafäden,
bunten Weihnachtskugeln und vielen Lichtern schmücken wollte. Kurz
danach wurde auch unser Bäumchen verkauft, in eine Wohnung gestellt
und herrlich geschmückt. Das Bäumchen hielt ganz still, damit
nichts von seiner Pracht herunterfallen sollte. Es wurden Geschenke unter
den Baum gelegt, der vor lauter Aufregung kaum zu atmen wagte. Dann war
der große Augenblick gekommen. Alle Lichter im Zimmer wurden gelöscht,
nur das Bäumchen leuchtete und strahlte in vollem Glanze. Es wurde
leise Weihnachtsmusik angestellt und die ganze Familie kam in das Zimmer.
Natürlich schauten zunächst alle auf den schönen Baum, der
vor Stolz und Rührung am liebsten geweint hätte. Seine Lichter
funkelten nur so in den vielen Kugeln und die Menschen saßen um ihn
herum und packten ihre Geschenke aus. Es war eine herrliche Zeit und so
schön hätte sich das unser Tannenbaum in seinen kühnsten
Träumen nicht ausmalen können. So vergingen die Tage. Immer wieder
wurden die Lichter angezündet und die Kinder spielten unter ihrem
Weihnachtsbaum. Dabei passierte es manchmal, dass Lamettafäden oder
auch einmal eine Kugel auf den Boden fiel. Aber so allmählich ließ
die Freude doch nach und unser Bäumchen wurde langsam müde. Mehr
und mehr wurden seine Nadeln trocken und fielen ab. Auch seine Äste
wurden immer matter und hingen herab. Seine Zeit als Weihnachtsbaum war
vorüber. Er war auch nicht traurig, als ihm eines Tages alle Lichter,
die schönen bunten Kugeln und das glitzernde Lametta wieder abgenommen
wurde. Es störte ihn auch nicht mehr, dass dabei nun fast alle restlichen
Nadeln mit abfielen. Er wurde hinaus neben das Haus gebracht und musste
nun nur noch darauf warten, dass ihn jemand abholte. Auch wenn ihm das
jetzt niemand mehr ansah, er war einmal ein wunderschöner Weihnachtsbaum
gewesen und dieses Erlebnis machte ihn sehr, sehr glücklich.
I. Dorschner (2009)
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