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Im Winter brauchen hilfsbedürftige Igel den Menschen 
Igel-Pension ist derzeit mit "Gästen" ausgebucht 
Mit 135 „Gästen" ist die Igel-Pension . im Neumühlenweg derzeit ausgebucht, die Igelfreunde Ingrid und Johann Dorschner 
werden bisweilen von vermeintlichen Tierfreunden sogar  beschimpft, wenn sie mal „Nein" sagen müssen. Dabei kann jeder einen  hilfsbedürftigen Igel über den Winter bringen.  
Wittenberg (wg). Johann Dorschner, Vorsitzender der Igelfreunde Sachsen-Anhalt e.V. (ISA), hat einen Vorschlag für das Unwort des Jahres: „Abgeben". Denn ums „Abgeben" geht es meistens, wenn die Igelfreunde oft erst zur nächtlichen Stunde einen Anruf erhalten. Dann hat jemand einen Igel gefunden und will wissen, wo er ihn „abgeben" kann. Auch die mancherorts gängige Bezeichnung „Igel-Auffangstation" finden die Dorschners schrecklich: „In unserer Wegwerfgesellschaft gilt eben, wenn etwas nicht mehr passt, wird es abgegeben oder entsorgt - Hunde an der Autobahn, Katzen im Müll, alte Leute im Alters -heim." Die Dorschners nennen ihre Einrichtung bewusst Igel-Pension : Hier finden hilflose oder kranke Tiere befristete Aufnahme. Außerdem kann die Igel-Pension während Krankheit oder Urlaub des Finders einen Igel vorübergehend aufnehmen. „Wir sind zwar ein Tierschutzverein, aber kein Tierheim und können deshalb nicht alle gefundenen Igel stationär aufnehmen", betont Johann Dorschner und freut sich darüber, dass es auch Igel-Finder gibt, die nach entsprechender Aufklärung bereit sind, für das gefundene Tier zu sorgen und bei Bedarf auch im folgenden Jahr wieder Igel aufzuziehen. .. 
Mit 135 Tieren ist die Wittenberger Igel-Pension nicht nur eine der größten in Deutschland, sondern derzeit auch überbelegt. Kurzfristig wurden ausrangierte Schulbänke in Igel-Kisten umfunktioniert, trotzdem lassen sich die Kapazitäten nicht beliebig erweitern, denn die Versorgung der vielen Tiere ist arbeitsintensiv, zudem muss Geld beschafft werden. 50 Cent kostet ein Igel pro Tag nur an Futter, hinzu kommen die Kosten für benötigte Medikamente. 
Die Arbeit ist aufwändig: 
Täglich müssen die Kisten und Schlafstätten desinfiziert sowie die Futterschalen gereinigt und mit neuer Nahrung gefüllt werden. Bei etlichen Tieren müssen Außenparasiten wie Höhe und Zecken entfernt oder Wunden versorgt werden. Ein besonderes Problem sind Innenparasiten, dazu untersucht Ingrid Dorschner mit Hilfe des Mikroskops den Kot der Tiere, bei Bedarf erfolgt eine Behandlung mit Antibiotika. 
Im Jahr 2000 wurden die Wittenberger Igelfreunde mit dem Tierschutzpreis des Landes ausgezeichnet, in der Begründung wurde unter 
anderem die „artgerechte Haltung von sonst freilebenden Tieren" besonders gelobt. Dies bezieht sich auch auf die Auswilderung nach den 
Eisheiligen., wofür die Dorschners auf dem  Gelände der Igel-Pension sowie auf ihrem Wochenendgrundstück zwei Stationen eingerichtet 
haben. „Igel, die beim Menschen überwintern, behalten ihre natürlichen Reflexe und werden behutsam an das Leben in der Natur gewöhnt", 
erklärt Johann Dorschner. 
Die Dorschners werden in ihrer aufopferungsvollen und zeitintensiven Arbeit nur von Ein-Euro-Jobbern unterstützt. „Manche davon machen 
nach Ablauf der Zeit bei uns ehrenamtlich weiter", freut sich Ingrid Dorschner. Für die Arbeit ist viel Idealismus erforderlich, das gilt auch 
für die 130 Mitglieder des Vereins, die aus ganz Deutschland kommen. Seit mehr als 40 Jahren engagieren sich Ingrid und Johann Dorschner 
für den Igelschutz. Alles begann mit einem Igel, den die beiden Töchter mit nach Hause brachten. 
Der 76 Jahre alte ehemalige Gymnasiallehrer für Biologie und Chemie und die 73 Jahre junge MTA könnten einen ruhigen Lebensabend 
verbringen. Doch so fängt der Tag um 6 Uhr morgens an und endet oft erst abends spät, wenn alle Anfragen und Anrufe - bis zu 70 pro Tag - beantwortet wurden. Futter und Medikamente müssen beschafft, Büroarbeiten erledigt werden. Mittags ist oft nur Zeit für einen Schnel- 
limbiss, nur selten für einen altersgerechten Mittagsschlaf. „Wir würden uns gerne ein wenig zurücknehmen, finden aber keine Nachfolger für 
die Igel-Pension", bedauert Johann Dorschner. 

Hilfen für kranke Igel  
Es gilt der Grundsatz: Nicht wahllos Igel einsammeln, sie stehen unter Naturschutz, und nicht jeder Igel braucht Hilfe, aber jede Hilfe muss 
richtig und artgerecht sein. Hilfe das ganze Jahr über benötigen grundsätzlich verletzte Igel, im Winter sind es untergewichtige Igel sowie 
Kleinigel, die ohne Mutter umherirren. Ist der Igel zusammengerollt kleiner als eine Pamnpelmuse, muss er aufgepäppelt werden. Das für den 
Winterschlaf erforderliche Gewicht liegt bei mindestens 700 Gramm. Zu den häufigsten Fehlern beim Füttern gehört das Verabreichen von 
Milch, die tödlich verlaufende Durchfälle verursachen kann. Deshalb Igeln nur Wasser geben! Der stachelige Kleinsäuger gehört zu den 
Fleischfressern am einfachsten ist es, ihn mit Katzenfutter aus der  Dose zu ernähren. 
Warum sollte man Igel aufnehmen? Nach wie vor sind die Tiere vom Aussterben bedroht aufgrund der Folgen der Zivilisation wie Straßenverkehr - mehr als 700.000 Tiere werden jährlich überfahren - Einengung der Lebensräume durch Flächenversiegelung, Gifte im Garten, Laubsaugern sowie das Abbrennen von Brauchtumsfeuern und Gartenabfällen. Als Erstmaßnahmen sind erforderlich: Aufwärmen bei Unterkühlung, Vorsetzen von Wasser und Futter, Dokumentation von Größe, Gewicht, Fundort, Datum und Gesundheitszustand, Absuchen nach Verletzungen sowie Entfernen von Zecken, Flöhen, Fliegeneiern und Maden. Seinen Winterschlaf verbringt der Igel in einem kühlen, aber frostfreien Raum, zusätzlich sollte Nistmaterial bereit gestellt werden. Manche Igel schlafen Monate durch, andere wachen zwischendurch auf, deshalb für Wasser und unverderbliches Futter wie zerkleinerte Nüsse, Rosinen, Haferflocken, Sonnenblumenkerne sorgen. 

Kontakt 
Die Igel-Pension im Neumühlenweg 80 hat Montag bis Freitag von 10 bis 12 Uhr und von 13 bis 15 Uhrgeöffnet, an Wochenenden 
stehen in dringenden Fällen die Rufnummern 03491/61 27 76 oder 0170 / 2937264 zur Verfügung. Wer durch seine Mitgliedschaft im Verein Igelfreunde Sachsen-Anhalt helfen möchte, Tiere zu retten, zahlt 
im Jahr 15 Euro, Ehepaare 25 Euro und Jugendliche 9 Euro. 
Spendenkonto: Sparkasse Wittenberg, BLZ 805 501 01, Konto - Nr. 55352. 
 
 
 

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