Die Dezembergeschichte:
| Der
Weihnachtsigel
Es war einmal ein kleines Igelkind, das mit seinen Geschwistern in einer lauen Septembernacht geboren wurde. Es lebte, wie alle Igelkinder, in einem weichen und warmen Nest und war schon neugierig auf die große weite Welt, von der ihre Mutter ihnen so viel erzählt hatte. Inzwischen waren einige Wochen vergangen und die Igelchen waren tüchtig gewachsen. Sie waren kräftig geworden und durften mit ihrer Mutter täglich weite Spaziergänge unternehmen. Ach, was gab es da alles zu sehen und zu erleben. Da waren nicht nur Pflanzen, deren Blätter so groß waren, dass man sich richtig darunter verstecken konnte, sondern auch Erdberge, auf die man klettern konnte. Die Erde war auch ganz weich und man konnte mit den Pfoten herrlich darin wühlen. Die Mutter erklärte, dass dies Maulwurfshügel wären und dass der Maulwurf viel Kraft brauchte, um die ganze Erde hochzudrücken. Aber das war den Igelchen egal. Am liebsten aber kämpften sie mit kleinen Stöckchen, die auf ihrem Wege lagen und sich so schön bewegten, wenn man darauf trat. So waren wieder Wochen vergangen, es war kühler geworden und der Wind trieb lauter bunte und trockene Blätter von den Bäumen. Sie bildeten in allen Ecken und Ritzen große Haufen und man konnte daraus schöne warme Nester bauen. Das alte Igelnest war inzwischen auch zu klein geworden und die größeren Geschwister hatten sich schon ihre eigenen Reviere gesucht, in denen es auch genügend Futter gab. Eines Tages sagte die Igelmutter zu ihrem kleinsten Kind, das immer noch in ihrer Nähe blieb: „Du musst jetzt auch eigene Wege gehen und dir ein Nest bauen, denn ich bin müde und gehe nun in meinen Winterschlaf. Du musst aber noch etwas wach bleiben, denn dein Fett reicht noch nicht aus, um einen ganzen Winter zu verschlafen. Also sei fleißig, baue dir ein warmes Nest und suche noch tüchtig nach Futter!“ Na, nun war guter Rat teuer. Überall, wo unser Igelchen ein geschütztes Plätzchen fand, hatte sich schon ein anderes Tier eingenistet. Würmer und Käfer fand es auch immer weniger und der Wind wurde langsam eisig. Eines nachts begegnete ihm ein anderer kleiner Igel, der auch noch auf der Suche nach einem warmen Plätzchen war. Gemeinsam trabten sie weiter und wenn sie müde waren, so wärmten sie sich gegenseitig. Plötzlich hörten sie ganz in der Nähe mehrere Stimmen. Das konnte bedeuten, dass vielleicht etwas Futter oder ein Schlafplatz in Aussicht war. Auf einmal bekamen sie einen tollen Duft in die Nase und standen kurz danach vor einem Haufen Heu. Na, das war es doch, was sie brauchten. Erst mal schlafen und aufwärmen und dann nach Futter suchen. Sie kuschelten sich aneinander und bald waren sie eingeschlafen. Sie hatten natürlich nicht bemerkt, dass Schausteller begonnen hatten, eine Weihnachtskrippe aufzubauen. Plötzlich, unser Igelchen glaubte noch zu träumen, wurden die Stimmen ganz in der Nähe immer lauter. Vorsichtshalber rollte es sich noch fester zusammen und wagte kaum, die Augen zu öffnen. Da lachten die Menschen sogar und sagten: „Na so etwas hat es doch noch nie gegeben, dass bei der Krippe vom Jesuskind außer Ochs und Esel auch noch Igel sind“. Nun blinzelte unser Igelchen aber doch neugierig, streckte das Köpfchen vor und wunderte sich. Überall war Licht, Kerzen brannten auf Tannenbäumen, glitzernde Sterne hingen an langen Ketten, Heu und Stroh lag herum und einige Figuren knieten um eine Krippe, in der ein Baby lag. Gerade rief wieder ein Kind: „ Seht doch, seht, der Igel dort auf der Seite bewegt sich, der lebt ja. Das ist für mich die schönste Weihnachtsüberraschung“. Der Vater dieses Kindes sprach mit den Ausstellern und erfuhr, dass die Igel wohl mit dem Heu in den „ Stall von Bethlehem“ geraten waren und dort gar nicht hingehörten. Das Kind bettelte: „ Bitte, bitte, lass uns doch die Igel mitnehmen und über den Winter behalten. Sie können sich doch sicher das Futter mit unserer Katze teilen und im Frühjahr in unserem Garten die Raupen fressen“. So nahm schließlich alles für unser Igelchen und seinen neuen Freund ein gutes Ende. Sie bekamen ein schönes warmes Nest und genügend Platz, wo sie sich bewegen konnten. Für reichlich Futter wurde gesorgt und nach ein paar Tagen hatte sich all die Aufregung wieder gelegt unsere Igelchen legten sich zur Ruhe. Im Traum sah unser Igelkind wieder all die Lichter und glitzernden Tannenbäume und es nahm sich vor, später einmal seinen Kindern von diesem tollen Erlebnis zu erzählen. Nun aber lassen wir es in Ruhe schlafen. Bis zum Frühjahr „gute Nacht“. |