| Das
Weihnachtsfest der Tiere
Wieder einmal war eine
Einladung zu einer Sondersitzung unter der großen Eiche an alle interessierten
Tieren geschickt worden. Es musste sich also um ein besonderes Ereignis
handeln. Von überall her kamen die Tiere angehopst, gelaufen oder
geflogen, um die Neuigkeit nicht zu verpassen.
Der alte weise Uhu,
der von den Tieren als Vorstand gewählt war, saß schon auf einem
Ast und empfing seine Gäste. Fast alle waren schon gekommen. Es fehlten
nur noch drei Tiere, der Igel, der Hamster und das Eichhörnchen.
Der Igel hatte nach
langem hungrigen Suchen endlich eine Stelle mit herrlichen Regenwürmern
gefunden, die er sich natürlich köstlich schmecken ließ.
Der Hamster hatte auf einem Feld noch einige vergessene Kornähren
gefunden, die erst einmal in einem seiner Kornlager sichergestellt werden
mussten und das Eichhörnchen hatte unter einem Nussbaum reiche Ernte
gemacht, die es eilig verbuddelt hat.
Als die Tiere bei
der großen Eiche ankamen, war dort schon eine rege Diskussion im
Gange. Lange verstanden sie gar nicht, worum es eigentlich ging, auf alle
Fälle um ein Weihnachtsfest im Walde. So etwas gab es ja noch nie
und nur der weise Uhu , der nachts in die Fenster schaute, konnte erzählen,
dass das bei den Menschen ein ganz besonderes Fest ist. Alle Tiere waren
aufgeregt und machten Vorschläge, nur unsere Winterdöser und
Winterschläfer hörten nur aufmerksam zu. Alle Tiere waren bereit,
etwas zum Gelingen des Festes beizutragen, ein paar Beeren oder Waldfrüchte
zu spendieren, Eicheln, Kastanien oder Nüsse zu spenden, und unser
Hamster trennte sich sogar von einem halben Maiskolben aus seinem Wintervorrat.
Nur unserem Igel fiel nichts ein.
Er hatte ja nichts.
Die paar trockenen Blätter brauchte er in seinem Winternest und wenn
er einen Wurm, eine Schnecke oder ein paar Körnchen Vogelfutter fand,
verschwand das sofort in seinem immer hungrigen Bauch. Außerdem war
er in letzter Zeit wie in jedem Spätherbst nur noch unendlich müde.
Er rollte sich zusammen und hörte noch eine Weile still zu.
Alle Tiere um ihn
herum waren beschäftigt, kleine Geschenke zu basteln, z.B. Eicheln
oder Haselnüsse in Blätter zu wickeln. Die Spinnen webten eifrig
Fäden, mit denen die Päckchen verschnürt werden konnten.
Eine kleine Tanne, die neben der Eiche stand, bot sich als Weihnachtsbaum
an und wurde mit den Geschenken behängt. Ein schönes rotes Band,
das im Walde gefunden worden war, schenkten die Tiere der Tanne und knoteten
es in die Spitze der des Baumes.
Als alle Vorbereitungen
beendet und der Baum bunt geschmückt war, fand das Fest statt. Alle
Tiere waren in festlicher Stimmung und bald war die Feierlaune auf dem
Höhepunkt. Plötzlich fragte der weise Uhu, der von seinem Ast
den besten Überblick hatte, ob jemand den Igel gesehen hätte.
Alle Tieren sahen sich an, aber niemand wusste etwas. „ Nun gut“ sagte
der weise Uhu, der natürlich wusste, wo der Igel sein Nest hatte.
„ Falls er sich wieder nur verspätet hat, holen wir ihn ab.“
Unter lustigen Gesprächen zog man los, aber auf der ganzen Strecke
war kein Igel zu sehen. So kamen sie bis zu dem Igelnest. Aber was war
das?
Das Nest war besetzt,
und als sie nachsahen, lag der Igel in tiefstem Winterschlaf. Nun war klar,
warum er sich an den Vorbereitungen und an dem Fest nicht beteiligt hatte.
Es war also nicht
ein mangelndes Interesse, sondern ganz klar seine Vorbereitung auf den
Winterschlaf. Leise schlichen die Tiere wieder zurück, nachdem sie
das Igelnest wieder gut verschlossen hatten. Sie wünschten dem Igel
noch einen langen und störungsfreien Schlaf und nahmen sich vor, ihm
im Frühling, wenn der Igel erwacht ist, von ihrem schönen Weihnachtsfest
zu erzählen.
I. Dorschner ( 2008)
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